Crowdfunding: 5 Fragen, die man sich vor Beginn einer Kampagne stellen sollte

von Anne Aschenbrenner //

Der Crowdfunding-Trend ist längst auch im Kulturbereich angekommen. In Wien hat sich momentan ein richtiger Hype entwickelt: Allein im letzten Quartal haben sich drei große Wiener Kulturinstitutionen zu einer Crowdfunding-Kampagne entschlossen. Die österreichische Nationalbibliothek und das Filmarchiv Austria haben ihre Kampagne bereits erfolgreich abgeschlossen, jene des Wiener Volkstheaters läuft noch.

7d04fieg-jpg-largeWir haben die Crowdfunding-Kampagne des Filmarchiv Austria digital begleitet (in diesem Blogpost könnt ihr über das Projekt lesen) und viele andere im vergangenen Jahr aufmerksam verfolgt. Und wir haben festgestellt: Crowdfunding ist viel mehr als eine alternative Finanzierungsform. Als ein eigenständiges Kommunikations-Projekt gibt es großen Häusern und kleinen Künstler_innen die Möglichkeit, eine digitale Strategie zu entwickeln und in einem abgesteckten zeitlichen Rahmen zu testen. Ob die Strategie nun erfolgreich ist oder nicht lässt sich beim Crowdfunding nach Projektabschluss ganz einfach sagen: Alles oder nichts ist ja das Motto, nach dem die „Schwarmfinanzierung“ (sry, ich musste dieses Wort unterbringen) funktioniert. Auch der Marketingwert darf nicht unterschätzt werden: Vergleicht man die Kosten für eine Handvoll Plakate im Stadtgebiet mit jenen Kosten, die bei einer Crowdfunding-Kampagne (vom  Personal bis zum Porto für die Gegenleistungen), braucht man nicht lange überlegen.


Hier haben wir für Euch die zentralen Fragen zusammengetragen, die man sich für erfolgreiches Crowdfunding im Kulturbereich stellen sollte – am besten vor dem Start der Kampagne. 😉
 

1. Was ist das Produkt/das Projekt, was macht es besonders und warum brauche ich die Crowd zur Finanzierung?

Crowdfunding ist Kommunikation. Nicht nur das Ergebnis, also das finanzierte Projekt, ist wichtig, sondern auch der Weg dahin. Wer seiner Community erzählen kann, warum er ihre Unterstützung braucht, kommt eher ans Ziel. Ein schönes Beispiel für die persönlichen Geschichten hinter dem Projekt ist die Kampagne von Mavienna, einem Wiener Modelabel.

2. Wieviel Ressourcen habe ich zur Verfügung?

Gut geplant, ist halb gewonnen. Dazu gehört vor allem, sich die Kampagne Tag für Tag durchzudenken. Es hilft, sich einen Postingplan zu machen und überschlagsmäßig die Stunden zusammenzurechnen, die die Umsetzung benötigt. Mein Tipp: Immer ein wenig mehr Zeit berechnen. Die Erfahrung zeigt, veranschlagte Minuten sind bei Crowdfunding-Kampagnen noch nie übrig geblieben. Manchmal braucht es dazu externe Unterstützung. Neben Personalkosten dürfen auch die Kosten für die Kampagne nicht vergessen werden – die Gebühren für die Plattform beispielsweise oder Produktion und Versand der Belohnungen. Vor allem bei Crowdfunding-Kampagnen, die nicht nur lokal angelegt sind, sondern wenn beispielsweise ein international relevantes Projekt dahintersteckt, kann das rasch teuer werden: Bei #filmretten, der Kampagne der Filmarchiv Austria zur Rettung des Stummfilms Die Stadt ohne Juden, berichteten am Ende sogar die Washington Post und der Guardian und weckten das Interesse internationaler Unterstützer_innen.

3. Wie soll die Rollenverteilung im Projektteam aussehen?

Je größer das Team, desto genauer muss geklärt sein, wer wofür zuständig ist und wer wann wo erreichbar ist. Trello soll helfen. Mein Tipp: Schon vor dem Kampagnenstart bestimmte Jour-Fixe Termine vereinbaren, die auch nicht verschoben werden dürfen, an denen das ganze Team zusammen sitzt. Du wirst sehen, es gibt immer was zu erzählen – und nur so können Missverständnisse vermieden werden. Denn: Um Konflikte zu lösen, ist während einer Crowdfunding-Kampagne keine Zeit. Alle Energie gehört dem Projekt.

Beim Festival für zeitgenössische Musik, Musiktheatertage Wien, das zwar kein Crowdfunding-Projekt ist, in seiner Abgeschlossenheit aber ähnlich funktioniert, hat sich ein regelmäßig stattfindender Jour fixe als sehr nützlich erwiesen. So konnte wirklich effizient gearbeitet werden und aufkeimende Hindernisse umschifft werden. Besonders schön finde ich übrigens auch ein Meeting, das das Projekt abschließt, wo man zusammentragen kann, was gut und nicht so gut funktioniert hat. Man lernt sehr viel daraus, denn es ist ja noch nirgends ein SocialMediaMeister vom Himmel gefallen.

4. Wer können meine Projekt- und Kooperationspartner sein?

Für jede Geschichte gibt es Partner_innen die das Projekt gerne unterstützen. Such dir Influencer oder Verbündete. Diese Recherchen können mitunter aufwändig sein, plane dafür genug Zeit ein. Wichtig ist nicht nur, dass dein Partner eine große Reichweite mitbringt, sondern das Projekt auch thematisch zu seiner Community passt. Die bekannte österreichische Bloggerin Dariadaria hat #filmretten unterstützt, indem sie in einem Facebook-Post auf das Projekt hingewiesen hat. Auch Museen sind oft gute Partner im Kulturbereich. In Wien gibt es beim monatlich stattfindenden Social-Media-Stammtisch Kultur (#smskultur) die Gelegenheit, mit Kolleg_innen ins Gespräch zu kommen. Netzwerken ist alles, denn, wie ich schon oben sagte: Crowdfunding ist Kommunikation, oft schon im Vorfeld.

Und schließlich:
5. Welche Geschichte möchte ich wem auf welchen Kanälen erzählen?

Was für digitale Kommunikation im Allgemeinen gilt, gilt freilich auch hier. Mein Tipp: Verwende vor allem die Kanäle, die du auch bisher am meisten bespielt hast. Schau dir deine Community genau an: Wer sind die Menschen hinter den Likes? Auch hier gilt: im Voraus planen. Ich gehe gerne von einem längeren Text, z.B. Blogpost aus, den ich dann häppchenweise auf die Kanäle verteile. Einen ordentlichen Pool von Fotos zu haben, ist nie verkehrt!
Und vergiss nicht: Auch Pläne dürfen verworfen oder angepasst werden. Immer schön flexibel bleiben! 😉

Möchtet ihr noch Punkte ergänzen oder habt Ihr Erfahrungen, die Ihr mit uns teilen möchtet? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

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4 Antworten zu “Crowdfunding: 5 Fragen, die man sich vor Beginn einer Kampagne stellen sollte

  1. Liebe Anne,

    herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Kampagne. Ich habe das auch gerne unterstützt und wurde durch deine Postings stark überzeugt!
    Nach wie vor finde ich, dass es ruhig mehr Kulturinstitutionen probieren sollten mit dem Crowdfunding. Dabei sollten sie auch generell zum Community-Aufbau bereit sein und diese dann über die Kampagne hinaus pflegen wollen. Dann ist es nämlich auch nicht so schlimm, sollte man mal die Summe nicht zusammenbekommen. Denn man hat auf jeden Fall einen Stamm an Menschen, die sich für die Institution einsetzen würden. Das ist ein großer Wert solcher Kampagnen, der leider sehr selten erkannt wird. Oft lässt man dann die Community hinterher wieder auseinander gehen.
    Meine persönliche Crowdfunding-Erfahrung hat mir zwei Dinge gezeigt, die ich zu deinen 5 gerne noch ergänzen möchte. Einerseits glaube ich, dass je sozialer/gemeinnütziger die Kampagnen sind, desto höher die Bereitschaft, mitzumachen. Es muss dieses Wir-Gefühl entstehen, dass man gemeinsam eine gute Sache voranbringt. Das Gute ist wichtig!!
    Auf der anderen Seite habe ich aber auch gemerkt, dass die Dankeschöns eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Vor allem dann, wenn Unterstützer angesprochen werden, die nicht eh schon Fans sind. Beim „Buch für die Straße“, dessen Crowdfunding ich begleiten durfte, haben wir Workshops eines sehr bekannten Street-Fotografen als Dankeschöns gehabt. Die waren extrem begehrt. Das hat einen Großteil der Zugkraft ausgemacht, die das Projekt entwickelt hat. Das widerspricht zwar ein bisschen einer altruistischen Idee, die schon auch eine Rolle beim Crowdfunding hat. Aber die Menschen sind schon auch so gestrickt, dass sie eher bereit sind, mitzumachen, wenn sie mit attraktiven Dankeschöns gelockt werden.

    Herzliche Grüße
    Anke

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    • Vielen Dank liebe Anke für deine Ergänzung. Ich habe hier versucht die Ausgangsfragen für eine Kampagne zusammen zu stellen, Punkte, die sehr oft vergessen werden oder an die einfach nicht gedacht wird – wie im Vorhinein Team-Meeting-Termine zu vereinbaren. Die Dankeschöns sind natürlich ein sehr wichtiger Punkt! Je sozialer das Projekt aber, so denke ich, desto weniger wichtig ist das perfekte Dankeschön. Sehr einfach haben es natürlich Kampagnen, die ein schönes Produkt am Ende anbieten können. Vielleicht könnte man es auf die Formel bringen: Je abstrakter das Ziel der Kampagne minus dem ideelen Wert, den das Projekt für Unterstützer_innen hat, desto ausgeklügelter muss das Danekschön sein. Nicht zuletzt sind es aber auch die Dankeschöns, die Projekte im Crwodfunding-Wald herausstreichen.
      Was die Community-Pflege betrifft: da stimme ich dir zu. Das wäre ein „Was passiert nach der Kampagne“-Post … vielleicht schreibe ich den mal. 😉 Viele liebe Grüße aus Wien! Anne.

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  2. Liebe Anne !

    Ich habe mich jetzt an schon so einigen Crowdfunding-Aktionen beteiligt. Schaue regelmässig auch die Plattformen durch – was finde ich sehr wichtig ist – sind ansprechende Belohnungen. Da gibt es einige Best-Pratice-Beispiele – aber leider auch das Gegenteil, wo spannende Belohnungen zu teuer sind. Der oder die Crowdfunder_in sollte sich hier einiges überlegen – besonders ansprechend sind natürlich jene Sachen, wo auch für die Unterstützer ein Nutzen herausspringt. Besonders gern unterstützte ich bis jetzt Projekte, wo ich dann eine Publikation, CD, Gutschein oder sonstiges Goodie erhielt. Was leider heuer nicht erfolgreich war, war das Fälschermuseum, was mir wirklich sehr leid getan hat.

    Viele liebe Grüße
    Alexandra

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  3. Liebe Alexandra, vielen Dank für deine Anregung. Vielleicht könnte man tatsächlich eine Liste mit Best Practice Beispielen aus dem Kulturbereich zusammen stellen. Interessant wäre auch zu schauen, warum das Projekt „Fäschermuseum“ gescheitert ist. Auf den ersten Blick (ich habe nur kurz drüber geschaut) fehlt mir z:B. ein persönliches Video oder Hinweise welche Gesichter hinter dem Projekt stehen. Und dann sind leider sehr viele Fehler in den Texten. Vielleicht wagt es das Team ja ein zweites Mal, diesmal vielleicht auch mit konketeren Dankeschöns. Das wäre fein! Viele liebe Grüße! Anne

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