Kunst sehen mit #kunstsehen: Ein Social-Media-Walk durch Salzburg

von Anne Aschenbrenner //

Salzburgs Kultureinrichtungen und Social Media sind zwei, die noch nicht richtig zusammen gefunden haben. Der digitale Umbruch ist aber auch hier spürbar – und wie auch anderswo möchte man dringend, weiß aber nicht wohin.

Die Salzburger Kulturvermittlerin Anita Thanhofer will die Vernetzungsarbeit in Salzburg vorantreiben und Digitales anstoßen. Deshalb hat sie mich und Ines Häufler, Story Consultant, eingeladen, einen Tweetwalk als digitales Pilotprojekt für Salzburgs Kulturszene zu entwickeln.

Anita Thanhofers Initiative „Durchblick“ bietet mehrere, unterschiedliche Kunstvermittlungsangebote. Eines davon, ein Kunstrundgang, den Anita Thanhofer im Auftrag der Salzburg Foundation durchführt, sollte als Grundlage für unseren Probe-Tweetwalk am 22. Mai, dem Internationalen Museumstag 2016, dienen.

Einen analogen Kunstspaziergang ins Digitale zu transformieren ist mehr, als den Besucher_innen ein Smartphone in die Hand zu drücken. Vor allem die Länge der Führung muss angepasst werden, die Kunstvermittlerin wird immer wieder unterbrochen, es wird öfter nachgefragt, als bei einer analogen Führung, da die Rezipienten das Gehörte sofort ins Digitale übersetzen.

Eine besondere Herausforderung an dem Konzept, das Anita Thanhofer bei ihren analogen Führungen verwendet, sind die handlungsorientierten Elemente: Kunst wird durch eine Vielzahl von Aufgaben erlebbar gemacht. Was heißt das konkret? Ein Beispiel: Auf dem Weg zur Plastik von Tony Cragg bekamen wir Stift und Papier, um zu notieren und zu skizzieren, was wir wahrnehmen, während Anita uns führt – Verkehr, Lärm, Touristen.

Im Gespräch dann erzählte sie uns die Entstehungsgeschichte des Kunstwerks, gab uns Hintergrundinformationen usw. An dieser Stelle der Führung passierte übrigens etwas sehr Spannendes: der durch unseren digitalen Lärm um sein Kunstwerk aufmerksam gewordene Künstler schaltete sich plötzlich ins Geschehen ein.

Die Herausforderung der Kombination aus dem analogen und digitalen Schaffen erfordert viel Konzentration für die Teilnehmer_innen und genug Zeit für die einzelnen Werke, mehr noch als während den bei Tweetups üblicheren reinen Wissens-Führungen. Dennoch ist diese Verbindung von Analogem und Digitalem für das eigene Kunsterleben sehr reizvoll. Wer in sich hineinhorcht, spürt, wie das Kunstwerk, so vermittelt, neue Perspektiven eröffnet. So ging es mir zum Beispiel bei „Spirit of Mozart“ von Marina Abramovic. Die Installation besteht aus mehreren metallenen (im Sommer glühend heißen) Stühlen, die an einer der lautesten und verkehrsreichsten Stellen der Stadt montiert sind.

Hier war die Aufgabe, sich auf einen der Stühle zu setzen, die Augen zu schließen, in sich hineinzuhorchen, Geräusche wahrzunehmrn und als abstrakte Skizze auf Papier zu bringen. Der Stuhl wird zum Assoziationskörper.

Eine Medidationsübung an ebendiesem Unort durchzuführen, schärft die Wahrnehmung. Durch das Erfahren lässt sich die Absicht der Künstlerin nachvollziehen, dem Geist Mozarts einen Ort der Besinnung zu widmen.

Transformiert man analoge Führungen ins Digitale, so erfordert das immer auch ein besonderes Gespür für die Bedürfnisse der Teilnehmer_innen. Obwohl für Anita Thanhofer diese Art von Kunstvermittlung Neuland war, konnte sie sich rasch an diese Herausforderung anpassen. Einige Kunstwerke im öffentlichen Raum bearbeiteten wir demnach intensiver, einige oberflächlicher. Am Ende ergab sich ein schöne Collage aus Kunst im öffentlichen Raum – die um eine digitale (Tweets, Snaps und Instagram-Fotos) und analoge (unsere Skizzen und Gedanken) erweitert wurde. Den White Cube haben wir so endgültig verlassen und die museale Stadt Salzburg lebendiger und vielfältiger wahrnehmen können.

Eingebettet in die Aktion #paintmuseum des Internationalen Museumstages erfuhr #kunstsehen auch im Netz breite Aufmerksamkeit.
Anita Thanhofer hat den Kunstspaziergang in einem Storify zusammengefasst.
Ines Häufler hat dies alles auch in eine Snapstory verpackt, die auf YouTube nachzusehen ist.

In Salzburg soll es diese Art der Kunstvermittlung nun öfter geben. Anita Thanhofer und die Kulturfritzen halten euch am Laufenden.

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2 Antworten zu “Kunst sehen mit #kunstsehen: Ein Social-Media-Walk durch Salzburg

  1. Liebe Anne,
    ich hab es schon auf Twitter verfolgt und fand es großartig. Vor allem, weil ich seit Jahren predige, dass man mal weg vom Faktenwissen einfach seinen eigenen Eindrücken zur Kunst vertrauen sollte.
    Dass sich Tony Cragg gemeldet hat, ist natürlich ein Highlight. Das kann man ja zukünftig immer als Paradebeispiel hernehmen, wenn mal wieder die Kulturpessimisten ihre Stirn runzeln und die Lippen kräuseln ob der Kunstvermittlung im Digitalen!!

    Herzliche Grüße
    Anke

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  2. Pingback: Dahinspaziert #4: Kunst sehen in Salzburg | MIT OHNE AUTO·

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