10 Buchtipps für #Berlinfakt-Fans

von Marc Lippuner //

Mehr als 700 #Berlinfakt|en habe ich in den letzten zwei Jahren nun schon vertwittert. Eine Recherche-Aufgabe, die immer noch Spaß macht, wenngleich es von Tag zu Tag schwieriger wird, Fakten zu finden, die von allgemeinem Interesse sein könnten und sich zugleich noch auf 140 Zeichen herunterbrechen lassen. Immer mal wieder werde ich nach den Quellen für die nahezu tägliche Twitterdosis Berlin gefragt, hier nun eine kurze Antwort darauf.
Grundsätzlich sind zwei Arten von Fakten zu unterscheiden: Tagesfakten und allgemeine Fakten. Als Tagesfakten bezeichne ich jene, die in der Regel mit „Heute vor … Jahren“ beginnen. Das sind Erinnerungen an Geburts- oder Sterbetage (stets recht erfolgreiche Tweets, selbst wenn die Jahreszahl keine runde ist), an Grundsteinlegungen, Einweihungen und andere historische Ereignisse. Für solche Informationen hält das Internet Datenbanken bereit wie die Preußenchronik oder aber die umfangreiche Luise-Berlin-Chronik mit mehr als 25.000 Fakten aus acht Jahrhunderten. Leider sind beide Datenbanken fehlerhaft, so dass jede Information, die in Frage kommt, gegengescheckt werden muss. Drei unabhängige Quellen verifizieren jeden Fakt, vorher wird er nicht veröffentlicht. Dies ist eine Arbeit, die Zeit kostet – manchmal mehr als 30 Minuten pro Tweet. Aber: Ich verliere mich auch zu gern in diesen Informationen, recherchiere dann noch das Drumherum und lerne die Stadt, in der ich nun schon seit mehr als 30 Jahren lebe, jeden Tag ein bisschen besser kennen.
Über die Datenbanken hinaus gibt es zahlreiche Berlin-Literatur, die für die #Berlinfakt|en wertvolles Material liefert. Hin und wieder findet man zwischen den Seiten auch mal einen Tagesfakt, vor allem jedoch sind grundsätzliche, manchmal sehr spezielle Informationen über die Stadt aus der Lektüre zu gewinnen.
All jenen, denen die #Berlinfakt|en einen Anreiz für eine weitergehende Beschäftigung mit Berlin darstellen, möchte ich hier zehn Bücher empfehlen, die mir in den letzten beiden Jahren sehr nützlich waren.


1. 100+1 Fakten. Das muss jeder Berliner wissen

100 plus 1 berlinfakt kulturfritzenDieses kleine Geschenkbuch ist gerade in den ersten #Berlinfakt-Wochen ein wichtiges Hilfsmittel gewesen, liefert es mit farbenfrohen Infografiken doch die grundlegendsten Informationen über Deutschlands Hauptstadt: so z.B. die Anzahl der Bezirke, Partnerstädte oder öffentlichen Grünanlagen. Hinzu kommen zahlreiche Superlative wie das höchste Gebäude, die kürzeste Straße, die längsten Brücken oder die meistbesuchten Museen. Das liebevoll gestaltete Buch hält auch einige Überraschungen bereit und ist deshalb nicht nur für Neuberliner ein ideales Geschenk.

Jan Schwochow: 100+1 Fakten. Das muss jeder Berliner wissen.
Ostfildern: Baedeker 2015
Anzahl der Seiten: 192
ISBN: 978-3-8297-1497-6
Preis: 10,00 €


2.  Alles, was Sie noch nicht über Berlin wussten

gerdsen - kulturfritzen- berlinfaktZahlreiche unbekannte Infos über bekannte Berliner Bauwerke hat Elmo Gerdsen in diesem kleinen Büchlein versammelt. Wer z.B. wissen will, welche Gebäude Kopien der Wiener Hofburg oder des Louvre sind, was die Oberbaumbrücke mit einem Baum zu tun hat oder was in den Türmen der Dome am Gendarmenmarkt passiert, dem sei dieses Buch empfohlen.

Elmo Gerdsen: Alles, was Sie noch nicht über Berlin wussten.
Berlin: archimaps 2012
Anzahl der Seiten: 130
ISBN: 978-3-940874-51-1
Preis: 9,95€ (Buchpreisbindung aufgehoben)


3. Unnützes Wissen Berlin. 711 erstaunliche Fakten

unnützes wissen berlinfakt kulturfritzenDieses Buch, zu dem es in diesem Jahr auch einen Tagesabreißkalender gibt, liefert #Berlinfakt|en in Tweetlänge, leider (wie auch Buchtipp 2) ohne eine einzige Quellenangabe. Das ist ein wenig schade, weil die Informationen zum Teil so skurril sind, dass man gern mehr darüber erfahren wollen würde, im Netz aber nicht unbedingt fündig wird, obwohl es sich fast ausschließlich um recht aktuelle Phänomene und Statistiken handelt. Die Aufmachung des Buches ist ansprechend – typografisch hervorgehobene Fakten, die urbanen, zeitgemäßen Fotografien zugewiesen sind, lockern nahezu jede Seite auf.
Über den Verlag kann man das Buch zur Zeit nicht beziehen (ob eine überarbeitete Neuauflage in Planung ist?), im Onlinehandel ist es jedoch noch erhältlich.
Weitere Bücher aus der Reihe sind über Frankfurt, Hannover, Köln, das Ruhrgebiet, Wien und Zürich erhältlich.

Mirela und André Stanly: Unnützes Wissen Berlin. 711 erstaunliche Fakten.
Köln: Emons 2015
Anzahl der Seiten: 194
ISBN: 978-3-95451-521-9
Preis: 12,95€


4. Berlin. 1000 Jahre Geschichte

berlin 1000 jahre geschichte kulturfritzenWenn man über Berlin-Bücher spricht, kommt man um den Elsengold-Verlag nicht herum, von dem drei Bücher in dieser Empfehlungsliste zu finden sind. „Elsengold verlegt illustrierte Sachbücher über die schönste Stadt der Welt“, lautet die Selbstaussage auf der Website, das Programm ist fast so vielfältig wie Berlin: Berliner Liederbuch, Berlinerinnen, Verbrechen in Berlin, Leben in Ostberlin, Die Geschichte der Berliner Juden sind nur einige der lieferbaren Titel.
Mit Berlin. 1000 Jahre Geschichte liegt ein Überblicksband vor, der neben einer komprimierten Geschichtsschreibung zahlreiche Exkurstafeln und auf den hinteren Seiten eine ausführliche Zeitleiste beinhaltet. Die abgebildeten Exponate des reich bebilderten Buchs stammen aus der Sammlung der Stiftung Stadtmuseum, die als Kooperationspartner des Projektes verantwortlich zeichnet.

Henry Werner: Berlin. 1000 Jahre Geschichte.
Berlin: Elsengold 2014
Anzahl der Seiten: 220
ISBN: 978-3-944594-13-2
Preis: 29,95 €


5. Berlinmacher.

berlinmacher berlinfakt kulturfritzen75 Portraits historischer Persönlichkeiten versammelt der Katalog Berlinmacher, der als Begleitpublikation für eine Ausstellung im Ephraim-Palais 2012 erschien. Die ausgewählten Persönlichkeiten haben Berlin in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten auf ganz unterschiedliche Weise Impulse verliehen, z.B. im kulturellen, sozialen oder wissenschaftlichen Bereich. Unter ihnen finden sich bekannte Namen wie Theodor Fontane, Hildegard Knef, Rudi Dutschke, Harald Juhnke, Käthe Kollwitz oder Dietrich Bonhoeffer, aber auch unbekannte(re), wie Eugen Skladanowsky, der erste Filmschauspieler der Welt, die Salonnière Henriette Herz oder der Modehändler Hermann Gerson. Die Portraits sind jeweils eine Doppelseite lang und eignen sich daher optimal als Bett- oder Klolektüre (auch die Buchtipps 1 und 2 empfehlen sich hervorragend zu dieser Art der kurzen Zwischendurch-Bildung).

Anmerkung zum Katalogtitel: Anlässlich der 775-Jahr-Feier Berlins wurden in der Ausstellung auch 700 Bewohner_innen der Stadt mit kurzen Statements präsentiert, die jedoch in den Katalog keine Aufnahme fanden.

Stiftung Stadtmuseum (Hrsg.): Berlinmacher. 775 Porträts – ein Netzwerk
Bielefeld: Kerber 2012
Anzahl der Seiten: 226
ISBN: 978-3-86678-665-3
Preis: 15,00 €


6. Berlin – Der Friedhofsführer

berlin friedhofsführer berlinfakt kulturfritzenWer – wie ich – das #Gruftwandeln liebt, der wird an diesem Buch seinen Gefallen finden. Berlin hat 220 Friedhöfe, von denen 182 zugänglich sind – 50 davon stellt Boris von Brauchitsch auf mehr als 200 Seiten vor. Kunsthistorische Anmerkungen, praktische Lagepläne, Kurzbiografien prominenter Verstorbener sowie zahlreiche Fotografien wichtiger Grabstätten sind effektive Orientierungshilfen und machen das Taschenbuch zu einem unverzichtbaren Begleiter auf der nächsten Friedhofstour.

Boris von Brauchitsch: Berlin – Der Friedhofsführer. Wegweiser zu 50 historischen Friedhöfen.
Berlin: Edition Braus 2015
Anzahl der Seiten: 226
ISBN: 978-3-86228-116-9
Preis: 18,00 €


7. Skandale in Berlin

skandale in berlin berlinfakt kulturfritzen16 bemerkenswerte Berliner Skandale hat Regina Stürickow in diesem reich bebilderten Buch versammelt. Von zügellosen Sexpartys im Grunewald der Kaiserzeit über das Badehosenfoto des Reichspräsidenten Friedrich Ebert oder der Geliebten Joseph Goebbels bis hin zu geheimnisvollen Spionagebordellen zur Zeit des kalten Krieges und dem Bauskandal rund um den Steglitzer Kreisel reichen die auf jeweils etwa zehn Seiten erzählten Geschichten. Leicht verständlich werden die Skandale in ihren zeitgeschichtlichen Kontext eingebettet; die mit roter Farbe akzentuierten Schwarz-Weiß-Fotografien komplettieren die dokumentierten Aufreger, die ausnahmslos auch politische Konsequenzen hatten.

Regina Stürickow: Skandale in Berlin16 unglaubliche Geschichten 1890 bis 1980
Berlin: Elsengold 2015
Anzahl der Seiten: 180
ISBN: 978-3-944594-35-4
Preis: 19,95 €


8. Das andere Berlin

beachy - kulturfritzen - berlinfaktEine umfassende Studie über das homosexuelle Berlin von der Kaiserzeit bis hin zur Machtübernahme der Nationalsozialisten hat Robert Beachy vorgelegt. In acht Kapiteln von nahezu epischer Breite arbeitet er die Historie gleichgeschlechtlicher (vor allem mann-männlicher) Beziehungen auf, deren Pathologisierung und Kriminalisierung in Berlin maßgeblich mitbestimmt wurde. Das Buch basiert auf einer umfassenden Quellensammlung (das Literaturverzeichnung allein umfasst 26 engbedruckte Seiten), es ist dementsprechend faktenreich, verliert sich aber auch manchmal in vielleicht verzichtbaren Details. Beachy beginnt bei dem deutschen Aktivisten Karl Heinrich Ulrichs, der vielen als erster offener Homosexueller gilt, er widmet sich ausführlich der Eulenburg-Affäre, der Wandervogelbewegung, Magnus Hirschfeld und seinem Institut für Sexualwissenschaft, den „goldenen 1920er Jahren“ und endet mit der Auflösung der Weimarer Republik.

Robert Beachy: Das andere Berlin. Die Erfindung der Homosexualität – Eine deutsche Geschichte 1867 – 1933.
München: Siedler 2015
Anzahl der Seiten: 468
ISBN: 978-3-8275-0066-3
Preis: 24,99 €


9. Neuberliner. Migrationsgeschichte Berlins vom Mittelalter bis heute

neuberliner allers kulturfritzen berlinfaktDas reich bebilderte Buch zur Migrationsgeschichte Berlins ist gerade erst erschienen. Tobias Allers, der mit seinem Unternehmen Berlin Kultour individuelle Führungen zur Stadt- und Kulturgeschichte anbietet, arbeitet in seinem ersten Buch ein Thema auf, an dem zur Zeit niemand vorbeikommt, das jedoch eine lange Geschichte hat – zumindest in Berlin. In sieben Kapiteln beleuchtet Allers die Gründe der Migrationsbewegungen: von den aus Franken übersiedelten Hohenzollern über die Hugenotten bis hin zu den Gastarbeitern in Ost- und Westberlin nach 1945. Immer wieder wird die wechselhafte Geschichte der Juden thematisiert und auch die aktuelle Einwanderungspolitik in den Blick genommen. Besonders spannend ist  der Blick auf innerdeutsche Migrationsbewegungen: DDR-Flüchtlinge, Wehrdienstverweigerer, die nach Westberlin zogen, sowie der aktuelle Berlin-Hype, der viele junge Menschen in die Hauptstadt spült.

Tobias Allers: Neuberliner. Migrationsgeschichte Berlins vom Mittelalter bis heute.
Berlin: Elsengold 2017
Anzahl der Seiten: 180
ISBN: 978-3-944594-71-2
Preis: 29,95 €


10. Berlin im 19. Jahrhundert. Frühe Photographien 1850 – 1914

berlin fotografien kulturfritzen berlinfaktZum Abschluss möchte ich noch auf einen opulenten Bildband aufmerksam machen, der in das Berlin des 19. Jahrhunderts entführt. Die Kunsthistorikerin Miriam Paeslack, deren Forschung sich laut Klappentext „mit der visuellen Darstellung urbaner Räume und Konzepten der architektonischen und urbanen Erinnerung, Überlieferung und Identität“ beschäftigt, hat frühe Fotografien zusammengestellt, die die rasante Entwicklung Berlins von der königlichen Residenzstadt zur Industriemetropole dokumentieren. Dieses Buch ist wirklich ein Geschenk: Fabelhafte Aufnahmen von Amateur- und Berufsfotografen (zu denen übrigens auch Heinrich Zille gehörte) lassen die Betrachter_innen eine Stadt wiederentdecken, die schon lange verschwunden ist, und Momente gegenwärtig werden, in denen Gebäude entstanden, die heute Monumente des alten Berlins sind. So widmet sich eine ganze Fotostrecke dem Abriss des alten und Aufbau des neuen Berliner Doms, Baustellen rund ums Schloss kommen einem merkwürdig vertraut vor, man sieht den Ausbau der Hochbahntrasse zwischen Prinzenstraße und Halleschem Tor, ist überrascht von der engen Bebauung zwischen Marienkirche und rotem Rathaus (wo heute der Neptunbrunnen steht), erfährt, dass die Fischerinsel das malerischste Stück des einfachen Alt-Berlins war und sieht die Pracht der verschwundenen Kopfbahnhöfe (von denen nur noch das Gebäude des Hamburger Bahnhofs erhalten ist). Hätte der Bildband Taschenbuchformat: Ich würde ihn stets dabei haben und versuchen, bei meinen Stadtspaziergängen die Perspektiven der Fotografen ausfindig zu machen.

Miriam Paeslack (Hrsg.): Berlin in frühen Photographien 1850 – 1914.
München: Schirmer/Mosel 2015
Anzahl der Seiten: 236
ISBN: 978-3-8296-0722-3
Preis: 49,80 €

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