Ein Jahr #berlinfakt

Eine kurze Rückschau von Marc Lippuner //

Ein Jahr #Berlinfakt, das heißt 365 kulturelle, historische, kulinarische, politische, verkehrstechnische, royale oder architektonische Fakten über Berlin, täglich serviert bei den Kulturfritzen auf Twitter. Ein Jahr #Berlinfakt ist für mich aber auch Anlass, mal kurz zurückzublicken, indem ich ein paar Highlights heraussuche und schaue, was sich von dem, was ich mir vor einem Jahr vorgenommen habe, umsetzen ließ und was auf der Strecke blieb.

Der erste Tweet

Den ersten Tweet schrieb ich, nachdem ich die im Nordbahnhof platzierte Dauerausstellung über die Geschichte der Berliner S-Bahn entdeckt hatte.

Ich twitterte von meinem persönlichen Account, nutzte den Hashtag in Anlehnung an den #wienfakt, den Thomas Harbich seit Herbst 2014 täglich vorstellt, noch ohne den Gedanken, die Idee für Berlin zu adaptieren. Der Wunsch hakte sich aber in Windseile fest, so dass ich bereits mit dem dritten #berlinfakt zum Kulturfritzen-Account wechselte, wo ich die Informationen besser aufgehoben fand.

Die Idee

Mein Vorhaben formulierte ich umgehend in einem Blogpost:

Die Auswahl der #Berlinfakt|en ist subjektiv, folgt dem, was ich aufschnappe und interessant finde. Das, was mir vor die Füße fällt, Orte, an denen ich oft vorbeigehe, die mich neugierig machen. Kurzum: Meine Smalltalkfaktensammlung über Berlin, ohne großes Konzept, nur twitterschlau minimal strukturiert: Montags werden museale Fakten geliefert (#MuseumMonday), der Donnerstag gehört der Berliner Theaterlandschaft (#Theaterthursday bzw. #Theatrethursday), dazwischen allerlei Bemerkenswertes über diese meine bemerkenswerte Stadt.

Das Vorhaben scheiterte schnell an der Realität: Täglich etwas twittern ist kein Problem, allerdings läuft mir nicht täglich ein passender #berlinfakt über den Weg, besonders dann nicht, wenn ich mal längere Zeit auswärts arbeite. Auch den Gedanken, beliebte Wochentag-Hashtags aufzugreifen, ließ ich schnell fallen, zu oft kollidierten die Wochentage mit thematisch nicht passenden Fakten, in zunehmendem Maße, als ich anfing, Tageschroniken nach Ereignissen zu durchsuchen, um #onthisday-Fakten einzubinden, die gewöhnlich mit „Heute vor (soundsoviel) Jahren …“ beginnen.

Die Quellen

Die Frage, wo ich die Fakten finde, wird mir immer wieder mal gestellt. Ich nutze Superlativ-Bücher oder ebensolche Artikel (der älteste Baum, die kürzeste Straße, das höchste Gebäude), lese Statistiken oder nutze Online-Datenbanken, z.B. die Berliner Tageschronik zur Stadtgeschichte, der ein Volumen von mehr als 27.500 Fakten zugrunde liegt, die aber leider nicht fehlerfrei ist. Daher gilt es, jeden Fakt zu überprüfen. Ich bin dabei nicht ganz so streng wie Thomas in Wien, trotzdem schau auch ich, dass ein Fakt in mehreren unabhängigen Quellen nachgewiesen ist. Und ja, klar, ich nutze auch Wikipedia.

Der Zeitaufwand

Die Recherche für einen #berlinfakt, den Inhalt auf knapp 110 Zeichen herunterbrechen, ein dazu passendes, wenn möglich gemeinfreies oder selbstgeschossenes Foto raussuchen… das kann mitunter auch mal eine Stunde Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, die ich aber gern investiere, mich in Berichten, Reportagen, Diagrammen oder sonstigen Dokumenten festlese, Hyperlinks folge und Fotografien, Gemälde und Skizzen bestaune. Ich habe mir angewöhnt, den #berlinfakt für den kommenden Tag vor dem Schlafengehen fertigzumachen, so dass ich ihn morgens – mit dem ersten Espresso in der Hand absenden kann. Das gelingt nicht immer. Aber meistens. Und diese Routine ist eigentlich ganz schön.

Die Resonanz

Bei der Wahl der Fakten folge ich keinem bestimmten Prinzip, versuche aber schon, halbwegs populäre Themen zu erwischen, die Interesse wecken könnten und nicht nur Stirnrunzeln verursachen. Dass der Ober-Mühleninspektor Johann Paul Stecher am 30. Juli 1715 den Bau von vier Walkmühlen und zwei Lohmühlen gestattet, ist vielleicht weniger interessant, als der Tagesfakt aus dem Jahr 1948, den ich ausgewählt habe.

Grundsätzlich festlegen möchte ich mich da aber nicht. Ich bin immer wieder überrascht, welche Tweets oft geteilt oder mit Herzchen überschwemmt werden, manchmal aber auch enttäuscht, dass ein Fakt, der mir persönlich sehr gefällt, nur wenig Resonanz erfährt.
Schön ist, dass es keinen Fakt gibt, der nicht wenigstens eine Reaktion provoziert hätte, minimum sind zwei. Einige Reaktionen gehen sogar in den dreistelligen Bereich. Unter 10 Prozent der Fakten sind lediglich mit Herzchen belohnt worden und wurden nicht retweetet. (Da kommentierte Retweets bei Twitter nicht mitgezählt werden und auch nicht so einfach wieder auffindbar sind, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, dies noch weiter aufzudröseln.) Hier sind nun der Flop und die Top 7 aus dem ersten #berlinfakt-Jahr.

Der Flop


Die Top 7
(aufsteigend Summe Retweets und Likes)

Auf dem sechsten Platz der #Berlinfakt mit den meisten Retweets, jedoch mit vergleichsweise wenigen Herzen.

Sonstiges

Ich hatte in meinem Ankündigungsblogpost vor einem Jahr geschrieben, dass ich mich freuen würde, wenn #berlinfakt sich als Hashtag verselbständigen würde, und dies ist auch geschehen. Ich freue mich, dass Bekannte ihn benutzen, wenn ihnen Skurriles oder Interessantes in der Stadt auffällt. Was ich weniger originell finde, ist, dass Talent Berlin das Format seit einiger Zeit kopiert und dafür den selben Hashtag nutzt. Inhaltlich haben sie jedoch einen stärkeren Gegenwartsbezug, so dass die Überschneidungen erfreulicherweise überschaubar sind.

Danksagung

Ich freue mich täglich über die Resonanz zum neuesten #berlinfakt: Spannende Diskussionen erwachsen daraus immer wieder, interessante weiterführende Hinweise wurden schon geliefert und ich weiß, dass der Twitter-Account der Kulturfritzen heute weitaus weniger Follower hätte ohne diese tägliche Dosis Berlin.
Deshalb möchte ich das Jubiläum nutzen, um Euch Danke sagen für das treue Verfolgen und das Interesse an meiner (und unserer) Arbeit. Ich weiß das sehr zu schätzen.

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Wer sich einen Überblick über die bisherigen #berlinfakt|en verschaffen will, kann hier schauen und in unseren 50er-Paketen stöbern.

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