#smskultur – Die Juni-Nachlese

von Anne Aschenbrenner //

Ck7Rkc7VEAEgjPRBei der Juni-Ausgabe des #smskultur fand sich diesmal ein kleiner, überwiegend aus neuen Gesichtern bestehender Kreis aus Wiens Social-Media-Arbeiter_innen zusammen. Die Vorstellungsrunde war dennoch auch diesmal eher eine Vorstellungsstunde: Name und brennendes Thema lediglich zu nennen und nicht gleich zu diskutieren ist viel schwerer als es klingt. Ein wohliges Gefühl ist es aber dennoch, wenn man seine Social-Media-Sorge formuliert und aus ein zwei drei Ecken ein „Das ist auch mein Thema!“ erklingt – Social Media heißt Zusammenhalten.

Offenheit ist beim #smskultur daher ein sehr wichtiges Thema. Zwar müssen wir beinah alle unter nicht optimalen Bedingungen arbeiten, das wir es trotzdem tun, hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass wir mitunter Familien ernähren müssen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es diese Offenheit in der Runde gibt, das Vertrauen und die Sicherheit, dass interne Geschichten nicht weiter getragen werden, ermöglicht uns der Austausch ein gemeinsame Suchen von Lösungen für Schwierigkeiten in der Social-Media-Arbeit und gibt die Möglichkeit, Arbeitsbedingungen so zu nehmen, Arbeitsabläufe so zu optimieren, dass die Social-Media-Arbeit auch unter den Wiener Bedingungen so geschieht, dass sich Burn-Out-Gefühle in Grenzen halten können. Die erste Saison haben wir nun mit vielen spannenden Themen hinter uns gebracht. Schön, dass sich so eine Runde in Wien etablieren konnte.

Die brennenden Themen im Juni waren Krisenkommunikation auf Social-Media-Kanälen, Snapchat (das Thema kommt immer wieder), das weite Feld Social Media und Kulturpolitik, das wir naturgemäß nicht ausdiskutiert haben.


Krisenkommunikation und soziale Netzwerke

Dem mumok ist in diesen Tagen etwas passiert, womit Tageszeitungen längst kämpfen, und das auch im Kulturbereich vermutlich immer öfter passieren wird: „unschöne Kommentare“, schön gesagt. Was ist geschehen?

Die Räume des mumok wurden über einen externen Veranstalter, die Wiener Achse, für eine Podiumsdiskussion „WAT VI – Markt der Ideologie“ vermietet, geladen war auch Martin Sellner, ein Vertreter der Identitären. Nach einer Empörung in den sozialen  Netzwerken sagte das mumok die Veranstaltung ab und kommunizierte das am 12. Juni (zwei Tage vor der Veranstaltung) via Facebook.

Man lieferte dabei folgende Begründung:

„Bei Veranstaltungen, an denen Vertreterinnen und Vertreter von extremen politischen Gruppierungen teilnehmen, ist – wie aktuelle Ereignisse zeigen – mit Störaktionen zu rechnen. Ausschreitungen und die Anwendung von Gewalt können nicht ausgeschlossen werden. Das Museum kann nicht als Bühne für extreme politische Agitation und deren unkontrollierbare Folgen zur Verfügung stehen. Es verfügt auch nicht über die Einrichtungen, um für eine solche Fremdveranstaltung die erforderlichen Sicherheiten für die Personen und die zahlreichen Kunstwerke zu bieten.

Die Wiener Achse bedauert, „dass das Gespräch, als erstes seiner Art im öffentlichen Raum, aufgrund angedrohter Gewalt nicht stattfinden kann. Es war als Seismograph in einer Demokratie und ihrer aktuellen politischen Entwicklung angedacht, komplementär zu den diversen künstlerischen Diskursen, welche das Format WAT in der Vergangenheit angestoßen hat. Die Intention der Wiener Achse im Format WAT ist es, einen Raum zu bieten, in dem ein angstfreier Austausch stattfinden kann.“

Die Folge waren unzählige Kommentare, gegen das mumok, aber auch gegen die Kommentierenden selbst von

 Toll gemacht, mit dieser Begründung liefern die Vollpfosten vom MUMOK – Museum moderner Kunst Wien dem Neonazi auch noch die Steilvorlage für sein Mimimi…

über

Ach, hört auf euch zu beschweren, linke LOSER!

bis

vllt reicht eine kanüle ins ohr, dass die braune kacke abrinnen kann…

Am 13. Juni veröffentlichte das mumok auf Facebook folgendes:

„Stellungnahme des mumok zur abgesagten Veranstaltung der Wiener Achse am 14. Juni 2016:

Das mumok erfüllt als öffentliche Institution einen öffentlichen Bildungsauftrag. Es ist, wie alle anderen Bundesmuseen auch, Teil der staatlichen Kulturpolitik und besitzt damit bildungs- und gesellschaftspolitische Verantwortung. Die mit dem öffentlichen Auftrag verbundene kunst- und kulturpolitische Funktion setzt die Vermeidung parteipolitischer und ideologischer Vereinnahmung voraus. Politischen Kräften und Ideologien, die diese Aufgabe des Museums infrage stellen oder für ihre eigenen Zielsetzungen propagandistisch zu nutzen versuchen, kann das mumok keinen Raum geben.

Das Museum hätte seine Grundhaltung auch bei der Vermietungsanfrage der Wiener Achse zum Ausdruck gebracht, jedoch war aus der Anfrage für die Räumlichkeit die detaillierte, endgültige Ausrichtung der Veranstaltung nicht ersichtlich. Dass die Sicherheitsfrage hinsichtlich der Absage der Veranstaltung nicht alleine ausschlaggebend ist, geht aus unseren vorangehenden Ausführungen klar hervor. Aufgrund der aktuellen politischen Ereignisse haben wir das Statement der Sicherheit in unserer ersten Erklärung vorangestellt. Davon unberührt, behält unsere allgemeine Haltung stets Gültigkeit.

Weiters wollen wir darauf verweisen, dass es sich bei der Aussage, man wolle mit der Veranstaltung angstfreie Räume schaffen, um eine Stellungnahme der Wiener Achse handelt. Für eine öffentliche Einrichtung wie das mumok ist es ein zentrales Anliegen, den offenen und angstfreien Meinungsaustausch zu gewährleisten, dies scheint im vorliegenden Fall allerdings gefährdet gewesen zu sein. Angstfreier Austausch besteht auch darin, jegliche politische Propaganda zu verhindern, die mit ihrer Rhetorik versucht, Teile der Öffentlichkeit einzuschüchtern.“

Auch hier waren zahlreiche Kommentare die Folge. Konstruktive:

es wäre gut, wenn ihr dieses statement auch in englischer sprache veröffentlichen könntet, an der diskussion haben auch viele internationale künstler*innen, die in wien leben, teilgenommen. vielen dank

und weniger konstruktive:

aber mal eine klare antifaschistische position beziehen ist nicht drin? Olta

oder auch:

Sorry mumok, Ihr werdet immer lächerlicher. Zuerst tut Ihr so als wäre die Veranstaltung nicht Euer Problem. Als die Kritik zu stark wird, sagt Ihr die Veranstaltung beleidigt ab und diffamiert Eure Kritiker indirekt als Gewalttäter. Und als das auch nicht greift sagt ihr Eure Freunde von der Wiener Achse sind schuld und bemüht den allgemeinen Bildungsauftrag der mich, seit der Leitung von Karola Kraus, mehr an schlichtes Lobbying für die Kunstsammlung der familieneigenen Privatstiftung erinnert als an einen öffentlichen Bildungsauftrag… Peinlicher ist schwer.

Beantwortet wurden die Kommentare vom Museum nicht.

Auf Facebook wurde bald eine Seite gegründet: „Keine Identitären im mumok“ 

Wir haben beim #smskultur versucht, ohne auf Inhalte einzugehen, zu analysieren, was da wie passiert ist, haben es versucht, auf einer allgemeineren Ebene zu diskutieren, und überlegt, wie man Krisen auf Facebook kommunizieren kann.

Wir sind vor allem zur Conclusio gekommen: Social-Media-Arbeit, oft nebenher betreut von der Praktikantin, dem Assistenten, hat noch immer keine Wertigkeit in den österreichischen Häusern – weder monetär noch anerkennend. Das birgt die Gefahr, dass Ausnahmesituationen nicht optimal gehandelt werden kann. Wir finden: Gäbe es ein digitales Hub in einem Unternehmen, die die Social Media Arbeit als Schaltstelle zwischen sämtlich involvierten Abteilungen, von der Führungsebene über Presse, Marketing und Vermittlung steuern kann – und gäbe es eine Vereinbarung im Haus, so könnte man schwierige Situationen einfacher meistern.

Wir hatten vom Museum leider niemanden zu Gast, freuen uns aber über Besuch nach der Sommerpause.

In der Wiener Zeitung findet sich ein Bericht mit Hintergrundinformationen: „Risikominimierung“


Snapchat

Diesmal waren die viele wissbegierige New-Snapper_innen beim #smskultur zu Gast. Besprochen haben wir ein wenig auch das Wie (auf das ich an dieser Stelle nicht eingehen möchte, das Netz wimmelt mittlerweile von Tutorials.) Vor allem aber haben wir das Warum. Der grundlegende Unterschied von Snapchat zu Sozialen Netzwerken liegt meiner Meinung darin, dass es sich bei Snapchat um einen Messenger handelt – die Kommunikation ergo ganz anders funktioniert. Als entscheidenden Punkt haben wir festgestellt, dass die Geschichte in keine Timeline gespült wird: Der User muss klicken wollen. Schaut er die Geschichte zu Ende an und reagiert dann auch noch mit einem Kommentar (und bekommt dann auch Antwort), so ist sein Interesse nachhaltig geweckt. Der einzelne View und der wiederkehrende Viewer bei Snapchat ist also womöglich um Welten gewichtiger und mehr „wert“ als ein Klick auf Facebook, der womöglich nur nebenher passiert.

Mittlerweile verwenden immer mehr Wiener Institutionen Snapchat, abgespielt sind die Wiener Festwochen, hinzugekommen ist das Architekturzentrum Wien. Nicht jede Institution wird Snapchat brauchen können, für manche wird es absolut unnötig sein, manche werden es vielleicht auslagern (wie die Musiktheatertage Wien, die keinen eigenen Account bespielen, sondern bei den Kulturfritzen vorkommen), für manche hingegen wird es vielleicht unverzichtbar sein.


Trello

Trello haben wir leider nicht mehr besprochen, wir haben also ein Thema für die nächste Ausgabe. Die, die es nutzen, und das waren in unserem kleinen Kreis ziemlich viele, sind davon hochbegeistert.


Kulturpolitik und Social Media

Nicht nur der (übrigens mutige) Blogpost vom Joanneum zeigt, wie sehr sich Politik in die Kulturarbeit einmischt. Viele Erfahrungsberichte, die wir uns im #smskultur so von der Seele reden zeigen, wie eng Politik und Kulturarbeit in Österreich miteinander verwoben ist, lenkend aus parteipolitischen Gründen. Das fängt mitunter bei Förderungen an und hört beim Schüren von Konkurrenz zwischen einzelnen Institutionen auf. Auch bei der Social-Media-Arbeit macht das nicht halt. Werden nicht ganze Facebook-Seiten eingestampft, weil es „von oben“ so dirigiert wird? Aber nicht nur der Einfluss, der geltend gemacht wird, hat uns beim #smskultur interessiert, sondern auch die Chancen, die Social Media für die kulturpolitische Arbeit selbst bietet, hätten wir gern noch besprochen. Einst gab es in Wien einen Newsletter vom Bundesministerium für Kunst und Kultur, der aktuelle Förderungsmöglichkeiten etc. vorstellte. Was ist daraus geworden? Was kann man da noch tun? Wie funktioniert Kulturpolitik und Social Media in anderen 20160614_204220Städten und Ländern? Diese Fragen, die wir uns gestellt haben, gebe ich hiermit auch gern ins Netz weiter. Und übrigens: Den Instagram-Auftritt des Kanzlers haben wir uns im Zuge dessen auch angeschaut. 😉
Hier noch eine Artikel-Empfehlung: „Ein Bild von einem Kanzler“
Der #smskultur geht hiermit in die Sommerpause, was aber nicht heißt, dass wir mit dem Denken aufhören. Am 13. September wird um 18.30 Uhr wieder im Besprechungsraum von Rosebud.Inc. /Collector Agenda / Verlag für moderne Kunst in der Salmgasse der nächste Stammtisch stattfinden.  Für August haben wir eine Grillerei geplant – zum Netzwerken und einfach, weil es nett ist. Ein konkreter Termin wird noch bekannt gegeben, wer auch immer da gerade in Wien weilen sollte, ist schon jetzt herzlich eingeladen.

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Eine Antwort zu “#smskultur – Die Juni-Nachlese

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