Zwischen Theaterträumen und Plattenbaupoesie

Das Kulturareal im Enst-Thälmann-Park wird am 1. April 2016 dreißig Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums veranstalten wir – in Zusammenarbeit mit dem Theater unterm Dach und der Anwohner-Initiative – einen Tweet- / Instawalk und laden im Anschluss in die Premiere von Gestern, Heute, Morgen (#ETP30), einem Rechercheprojekt von PortFolio Inc. //

Ernst Thälmann – all jenen, die in der DDR aufgewachsen sind, ist der Name ein Begriff: Vorsitzender der Kommunistischen Partei, Reichspräsidentschaftskandidat 1925 und 1932, Ikone des antifaschistischen Widerstands, ermordet nach elf Jahren Einzelhaft im Konzentrationslager Buchenwald. Ich erinnere mich, dass auf der letzten Seite meiner Fibel seine Biografie zu finden war. Ein Vorbild für uns Pioniere, weil er Frieden wollte, gegen die Faschisten kämpfte und Freundschaft mit der Sowjetunion hielt. Vielleicht ist genau letzteres der Grund, warum ausgerechnet seiner so umfassend öffentlich gedacht wurde – nicht nur in der DDR, wo zahlreiche Arbeitskollektive, Straßen, Plätze und Siedlungen, Betriebe und Schulen nach ihm benannt, wo Gedenktafeln aufgehängt und Denkmäler errichtet worden sind, sondern auch im sozialistischen Ausland, wo Kolchosen und Dörfer heißen wie er; in der Schweinebucht trägt sogar eine kubanische Insel seit 1972 seinen Namen.

Daher verwundert es nicht, dass ein 25 Hektar großer „bewohnter Park“, der Wohnraum für 4000 Menschen bereitstellt, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten hat und neben einer Schwimmhalle auch noch ein Planetarium beheimatet, nach Ernst Thälmann benannt wurde. Das Gelände war DAS Prestigeobjekt der DDR zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987; eingeweiht wurde es ein Jahr früher, zu Thälmanns 100. Geburtstag am 16. April 1986. Zwei Wochen zuvor fand bereits die Eröffnung des Kulturareals statt, das – mit Ausnahme des oktaederförmigen Neubaus der WABE – in historischer Bausubstanz untergebracht worden ist.

Dreißig Jahre ist das nun her. Dreißig Jahre, in denen viel passiert ist. Dreißig Jahre, die am Ernst-Thälmann-Park nicht spurlos vorübergegangen sind. Dreißig Jahre, über die Anwohner_innen und Kulturschaffende viel zu erzählen haben.

Auf einem Tweet-/Instawalk wollen Anwohner_innen uns diese Geschichten erzählen, und wir können sie gemeinsam weitererzählen. In der Galerie Parterre haben wir die Möglichkeit, miteinander, mit Kulturfreunden und Kommunalpolitikern auf die Gegenwart anzustoßen. Während des Theaterprojekts Gestern, Heute, Morgen (#ETP30) spazieren wir dann noch einmal durch Raum und Zeit. Jugendliche der Jugentheateretage führen Euch an Ecken, die Ihr sonst nie zu sehen bekommt, wo Schauspieler_innen und Regisseure des Theaters unterm Dach schlaglichtartig zurückblicken, schauen, was da ist, und kühne Blicke in die Zukunft werfen.

Euch erwartet ein poetischer und politischer Abend, der die schönen Seiten des Lebens und Kulturschaffens im Ernst-Thälmann-Park zeigt, aber auch die schwierigen Zeiten beleuchtet, in denen das Geld knapp ist und Existenzen gefährdet sind: Zwischen scheinbarer Tristesse und wiederentdecktem Gestaltungswillen, zwischen Abriss, Schließung, Gentrifizierung und Sanierungsversprechen halten Siedlung, Park und Kulturareal großartige Instagram-Opportunities bereit sowie zahlreiche Anekdoten, die auf 140 Zeichen herunter gebrochen werden wollen.
Wir laden daher zwölf twitternde und/oder instagramende Menschen ein, den Spätnachmittag und Abend des 1. April 2016 mit uns im Ernst-Thälmann-Park zu verbringen.

Organisatorisches

Ablauf
Das Tweetup startet Freitag, den 1. April 2016, 18:00 Uhr vor dem Eingang zum Theater unterm Dach (Danziger Straße 101). Hier beginnt in Zusammenarbeit mit der Anwohnerinitiative Ernst-Thälmann-Park ein etwa 70minütiger kulturgeschichtlicher Rundgang über das Gelände. Vor der Premiere von Gestern, Heute, Morgen (#ETP30), die 20:30 Uhr im Theater unterm Dach beginnt, wird in der Galerie Parterre das Jubiläumswochenende mit einer Vernissage eröffnet. Im Anschluss an den Theaterabend, gegen 22:00 Uhr, lassen wir das Tweetup im Foyer des Theaters zusammen mit den Schauspieler_innen, Mitarbeiter_innen, Anwohner_innen und Premierengästen ausklingen.

Anmeldung zur Teilnahme
Zur Teilnahme am Tweetup meldet Euch einfach bis zum 25. März 2016 per eMail an: kontakt@kulturfritzen.de. Bitte vergesst nicht, Euren Twitter- und/oder Instagramnamen anzugeben. Falls Ihr einen Blog habt, auf dem Ihr über das Tweetup und Gestern, Heute, Morgen (#ETP30) berichten möchtet, teilt uns bitte den dazugehörigen Link mit. Sollten mehr Teilnahmewünsche eintreffen, als Plätze vorhanden sind, entscheidet das Los. Bis zum 28. März werden die Teilnehmer_innen per eMail informiert.

Hashtag
Für das Tweetup ist der Hashtag #etp30 festgesetzt.

Zusammenfassung
Datum und Uhrzeit: 1. April 2016, 17:45
Ort: vor dem Kulturhaus, Danziger Straße 101, 10405 Berlin
Hashtag: #etp30

// (ml)

Zur Information:
Sämtliche Fotos dieses Blogposts sind von Marc Lippuner aufgenommen worden. Mit einem Klick auf die Fotos bekommt man eine vergrößerte Ansicht. Das könnte u.U. ganz hilfreich sein.
Es wäre schön, wenn die Fotos nicht ungefragt weiterverwendet werden.

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4 Antworten zu “Zwischen Theaterträumen und Plattenbaupoesie

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