GASTBEITRAG: Sich Zeigen in der (Netz-)Realität

von Friedhelm Bruns //
Ein Beitrag zur Blogparade #TheaterimNetz.

„Seit meiner Townshiparbeit stelle ich mir zum ersten Mal die Frage, inwiefern meine Hautfarbe das Spiel der Kids beeinflusst.“

Ein Tweet, den ich nach meinen ersten drei Wochen in Südafrika in das world wide web stellte. Nach all den skeptischen Blicken, die mir immer wieder zugeworfen wurden/werden aufgrund meiner Hautfarbe, kam mir diese Frage auf und lässt mich seitdem auch nicht mehr los.

brunsZur Zeit arbeite ich in Stellenbosch (Südafrika) am Klein Libertas Theatre. Es leistet eine breit gefächerte Theaterarbeit, so auch in den beiden Townships Kayamandi (bei Stellenbosch) und Khayelitsha (das größte Township Südafrikas, bei Kapstadt). Ziel der verschiedenen Projekte sind u.a. das Erlernen von „Life Skills“, z.B. Wie gehe ich mit Geld um?, Wie erkenne ich Probleme und finde Lösungen? usw.
Das Theater selber brannte letztes Jahr am 13. Juni komplett nieder.

Hier kommen wir zum wichtigen Punkt dieses Beitrages: Ich organisierte eine Spendenaktion, die nun bis zum 15. Februar läuft und entschloss mich dazu, die Reise über verschiedene Kanäle (siehe unten) zu dokumentieren. Die Bühne also (teilweise im wahrsten Sinne des Wortes) ins Netz bringen.
Die Vordokumentation brachte die Erleichterung: die Vorbereitungen auf das Praktikum und die Organisation der Spendenaktion weckte das Interesse der Leute. Der Zugang im Netz wurde geschaffen. Würde ich es nun fachlich beschreiben: Die vierte Wand fällt weg und es wird eine kontinuierliche, wechselseitige Beziehung zwischen Akteur und Publikum eingegangen. Der Akteur zeigt, das Publikum reagiert. Nur was ist, wenn der Akteur nicht mehr zu spielen weiß und die Spannung nicht mehr aufrechthalten kann? Und er auch gar keine Rolle spielt, sondern sich selbst zeigt?
Ich denke oft darüber nach, ob diese Art von Inszenierung too much ist. Mein Resumé: Nein! Ich inszeniere nicht bewusst, sondern gebe nur die Wirklichkeit wieder. Mehr nicht. Ich habe kein Skript, keine Bühne als solche, keine Kostüme. Ich lasse die Zuschauer teilhaben an dem, was mir widerfährt und ihnen im selben Moment auch. Ich weiß nicht, was kommt. Es ist eine Mischung aus Blog und Dokumentation, ein geschnittener Livestream, der sehr positiv aufgenommen wird.
Daher die abschließenden Worte: Theater kommt im Netz an. Sei es nun über Theater oder das Spiel als solches. Es gibt kein Idealrezept dafür. Das Netz wird mehr denn je eine Rolle spielen, da hier Diskurse, besonders im Jugendalter, ausgehandelt werden. Wagt den Schritt in die virtuelle Welt, um den Empfänger in der Realität zu daraus zu locken.

Danke an Marc, dass du die Blogparade ins Leben gerufen, dein Vogel mir etwas flüsterte und ich einen kleinen Beitrag dazu leisten durfte!

Videos, Fotos und Tweets sind auf Facebook, Twitter und Youtube zu finden.

// Stellenbosch, Südafrika, den 3. Februar 2016

Über den Autor

Friedhelm Bruns, geboren 1991 in Vechta und aufgewachsen in Lindern, studiert Theaterpädagogik an der Hochschule Osnabrück, Außenstandort Lingen (Ems) und Kirchenmusik an der Bischöflichen Kirchenmusikschule in Münster. Er wohnt und arbeitet als Kirchenorganist in Münster seit 2015. Im vergangenen Jahr begleitete er „Die Mars-Chroniken“, inszeniert vom Cactus Junges Theater unter der Regie von Alban Renz, als Regieassistent. Von Januar bis März 2016 arbeitet er in Stellenbosch, Südafrika, am Klein Libertas Theatre.

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Eine Antwort zu “GASTBEITRAG: Sich Zeigen in der (Netz-)Realität

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