Neues aus der Filterblase (47/2015)

filterblase_niv15Am Donnerstag schrieb ich hier einen kleinen Text, in dem ich die Frage stellte, wieso Theater im sozialen Netz vergleichsweise uninspiriert daherkommt, der auf Twitter eine Diskussion anstieß, die schließlich dazu führte, dass ich zusammen mit Anne Aschenbrenner (Wien), Michael Stacheder (München) und Reinhard Widerin (Wien) die Blogparade #TheaterimNetz ausbaldowerte, die nun seit Freitag Nachmittag läuft. Seitdem werden mir interessante Links geschickt (u.a. von Michael Mikel Bauer und Norman Weiß),zu Beiträgen, die sich mit der digitalen Revolution und der deutschen Theaterlandschaft auseinandersetzen. Einige davon möchte ich nun weiterempfehlen.

#TheaterimNetz

Zuerst möchte ich auf einen Text aufmerksam machen, der sich mit den Möglichkeiten des Livestreamings im Theater auseinandersetzt. Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner forderte dies vor einem Jahr, das Theater Ulm setzt es bereits seit 2011 um. Michael Sommer, bis 2014 Dramaturg in Ulm, beschreibt in seinem Beitrag zu unserer Blogparade – Provinz on air – die Vorbehalte und Möglichkeiten.
Eine Dossier zum Livestreaming von Theater mit zahlreichen weiterführenden Links hält nachtkritik.de bereit.

Zum Theater in der Netzgesellschaft wurden während der Internationalen Schillertage in Mannheim 2015 im Rahmen eines Seminars unter der Leitung von Esther Slevogt fünf Thesen aufgestellt, die viel (Gesprächs-)Potential haben. Der Tenor kein neuer, aber schön auf den Punkt gebracht: Verkrustungen aufbrechen, den Elfenbeinturm verlassen, das „geschlossene Theater“ zu einem interaktiven, kommunikativen Raum machen. Das gefällt mir. Als Theatermacher genauso wie als Theatergänger.

Sich dem Digitalen im Theater annehmen möchte sich nun verstärkt auch das Theater Trier mit seinem neuen Intendanten Karl M. Sibelius. Auf dem Blog des Theaters finden sich zwei konträre Meinungen, an denen sich Sibelius mit seinem Team in den nächsten Jahren abarbeiten möchte.

Ein wunderbares Beispiel, wie man sich den den Wünschen von Publikum und Kollegen nach digitalen Informationen verweigert, liefern die Bayreuther Festspiele, wie Angelika Schoder in ihrem Blogpost über #BayreuthFake veranschaulicht. Knapp 1.000 Follower hat der von Mmauvs eingerichtete Twitter-Account, der aus Ignoranz, Ahnungslosigkeit, Überheblichkeit oder Trotz von den Festspielen nicht übernommen werden wird.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal herzlich dazu einladen, an der Blogparade zu #TheaterimNetz teilzunehmen. Uns interessiert hier nicht nur der theoretische Überbau; wir möchten wissen, was schon ausprobiert wurde, was ausbaufähig ist, wo man gescheitert ist, wo Wünsche und Bedürfnisse liegen, wer Ideen hat und nicht weiterkommt etc. Eingeladen sind alle, egal ob Theatermacher_innen, -begleiter_innen oder -besucher_innen. Ein buntes Mosaik an Meinungen, Analysen und Vorschlägen, die andere inspirieren, warnen oder zu einer Antwort ermuntern.

#KultDef

Apropos Mosaik: Die dauerwirbelnde Tanja Praske hat nun endlich die Zeit gefunden, ihre Blogparade #KultDef auszuwerten. 76 Beiträge sind im Frühsommer zusammengekommen, ihre Kommentare zum ersten Drittel sind seit heute online. Dankenswerterweise hat sie alle analysierten Beiträge noch einmal verlinkt. Hier mag ich gerade keinen einzelnen hervorheben, da ich selbst noch nicht dazu gekommen bin, alle in Ruhe zu lesen. Aber Tanja fasst alle Beiträge kurz zusammen, so dass jede_r selbst wissen wird, ob ein Weiterlesen interessant sein könnte.

#fragilschoen

Wie sich Lyrik adäquat ins eBook-Zeitalter übertragen lässt, darüber macht sich das Verlagshaus Berlin seit längerem Gedanken. Erste Ergebnisse sollen auf der Leipziger Buchmesse im März 2016 präsentiert werden. In Frankfurt hat Wibke Ladwig die #poetisierteuch-Veranstalter zum Gespräch gebeten und fragilschoene Erklärungen bekommen. Wir waren dabei.

Zu guter Letzt: #XavierNeeDu

Zwei Jahre nach Conchita Wurst Xavier Naidoo zum ESC schicken zu wollen, das ist – mit Verlaub – dumm. Die Heftigkeit, mit der die Netzgemeinde den NDR zu einem Rückzug bewogen hat, überrascht mich daher nicht – die Verantwortlichen offenbar schon. Von den zahlreichen Beiträgen zum Thema empfehle ich Heiko Wernings Kommentar in der taz, weil er auch die Folgen des Rückziehers – wie ich finde – treffend mit beleuchtet.

Wir lesen uns nächste Woche. Dann hoffentlich wieder Freitag.

// (ml)

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